Das Grafenbegängnis
600 Jahre Dankbarkeit

 

Seit nunmehr 600 Jahren wird alljährlich zu Michaelis, dem 29. September, eine Fahrt zum Kölner Dom gemacht, um am Grab von Graf Gottfried IV einen Kranz niederzulegen. Eine Delegation der Stadt bedankt sich damit bei einem Wohltäter der Stadt, der Neheim in einer seiner letzten Regierungshandlungen am 29. Juni 1363 einen 925 Morgen grossen Wald schenkte. Für diese Grosszügigkeit bat der Graf um ewiges Andenken an ihn und seine Frau Anna, verbunden mit einem Gottesdienst, einem geseligen Gelage ("Donatorenmahl") und der Verteilung von "Stütchen", kleinen Weisswecken, an alle Kinder unter 14 Jahren. Gottfried aber verkaufte seine gesamte Grafschaft an das Erzbistum Köln und ging in Rente. Er ist als einziger weltlicher Fürst im Kölner Dom begraben, eine hohe Würde, die er sich mit der Übergabe seines Besitzes zusichern liess.

Schenkungsurkunde des Stadtwaldes
Wir, Gottfried, Graf zu Arnsberg, tun allen kund und bekennen offen in diesem Briefe für Uns und Unsere Erben, daß Wir mit ihrer gütlichen Einwilligung und ganzer Vollmacht auf lautere Weise durch diesen Brief um Gottes Willen und zum Troste und Heile Unserer Seele sowie der Seelen Annas, Unserer ehelichen Hausfrau, und all Unserer Voreltern, den Hohensundern, den Vitiksundern, die Grevenheide und das Donnerscheidt mit allem Nutz und Zubehör, wo das auch gelegen ist, Unserer Stadtgemeinde Neheim gegeben haben und geben, um damit Unsere vorgenannte Stadt zu befestigen und zu bessern nach ihrer Macht; und wir wollen nicht, daß jemand Unsertwegen oder gar Wir selbst sie daran hindern mit Worten oder Werken oder irgendwelchen Dingen, was es auch sein mag.
Wir hinwiederum begehren von ihnen, und sie haben Uns dies auch gelobt, daß sie für Uns, Unsere Ehefrau Anna und alle Unsere Voreltern jedes Jahr zwei Begängnisse halten sollen mit Vigilien, Messen und Commendationen, genau so, als ob Wir noch über der Erde ständen, um die Zeit, die hiernach geschrieben steht: das erste am nächsten Werktage nach dem zweiten Fastensonntage, das zweite am Werktage nach Unserer Frauen Tage zu der Letzten (Mariä Geburt, 8. Sept.) und sie sollen jedesmal 3 Mark Geldes, als in Unserer Grafschafl gang und gäbe ist, zusammenbringen. Von diesen sollen sie eine Mark verwenden für Licht und Mahnung, die anderen zwei Mark für eine gesellige Zusammenkunf in dieser Zeit, zum Gedächtnis daran, daß sie das obengenannte Gehölz von Uns bekommen haben. Zur Urkunde haben wir Unser großes Siegel für Uns und Unsere rechten Erben an diesen Brief gehangen.
Gegeben im Jahre des Herrn 1368, am Feste des hl. Petrus (29. Juni).“

Redens-ART